Biomasse

Belarus hat abgesehen von Torf kaum eigene fossile Energieträger. Etwa 85% des Energiebedarfs wird durch Importe von Öl und Gas aus Russland gedeckt, das sich seine Lieferungen zunehmend zu hohen Preisen bezahlen lässt. Belarus hat selbst auch keine Atomkraftwerke, hat aber am stärksten unter den Folgen der Tschernobyl-Katastrophe zu leiden.
Belarus verfügt über ein ungeheueres Potenzial an Biomasse: Feste Biomasse (z. B. Holz und Energiepflanzen), flüssige Biomasse (z. B. Pflanzenöle) und gasförmige Biomasse (aus Gülle und biogenen Reststoffen). Während die Verwendung von Energieträgern wie Öl und Gas die Klimasituation weiter verschärfen, ist Biomasse ein nachwachsender, CO2 –neutraler Energieträger, der die Energieimporte nach Belarus erheblich vermindern kann, bisher aber noch kaum genutzt wird. Riesige Flächen innerhalb und im Umfeld der Sperrzone, die wegen der radioaktiven Belastung für die Nahrungsmittelproduktion nicht genutzt werden können, eigenen sich für den Anbau von Energiepflanzen.
Blockheizkraftwerk mit Rapsöl als Energieträger
Im April 2005 ging nach mehrjähriger Vorarbeit ein Blockheizkraftwerk (300 kVA el.) als Modell-Projekt in der Tschernobyl-Region mit Rapsöl als regenerativem Energieträger in Betrieb. Der Strom wird ins Netz eingespeist. Für die Erzeugung von Rapsöl als Treibstoff des BHKW gibt es eine für Belarus äußerst interessante Lösungsmöglichkeit. Ölpflanzen können auf radioaktiv verseuchten Böden angebaut werden. In der Pflanze ist die Radioaktivität praktisch nur in den Blättern und Stängeln (die nach der Verarbeitung in den belasteten Gebieten zurückbleiben) zu finden, während das Öl praktisch frei von Radioaktivität ist. Große Flächen in und am Rande der Sperrzone können nun für die Ölproduktion zur Versorgung des BHKW genutzt werden.
Das Projekt soll dazu beitragen, durch Anbau von Ölpflanzen eine landwirtschaftliche Nutzung in den radioaktiv besonders kontami¬nierten Gebieten wieder zu ermöglichen (mit den entsprechenden Arbeitsplätzen) und spin-off Effekte für Kolchosen zu nutzen. Damit wird eine landwirtschaftliche Nutzung von radioaktiv kontaminierten Böden möglich, ohne dass daraus im Gegensatz zur Nahrungs- und Futtermittelproduktion durch Inkorporation ein gesundheitlich relevantes Strahlenrisiko entsteht. In der Weiterführung des Projekts sind in der Region Maßnahmen zur Steigerung der Hektarerträge für Raps und eine Rapsmühle geplant. Projektpartner für dieses BHKW-Projekt in Choiniki am Rande der Sperrzone sind die Leitung des Landkreises Choiniki, das örtliche Milchwerk, in dem das BHKW steht, und die Internationale Sacharow-Umwelt-Universität, die in dieser Kreisstadt ein Ausbildungszentrum betreibt.
Energie- und Ökopark Wolma
Der Energie- und Ökopark Wolma der Internationalen Sacharow Umwelt Universität hat im Jahr 2006 eine Photovoltaikanlage erhalten zum Zweck der Ausbildung bekommen.
Ein Pilotprojekt für die Ausbildung ist auch die Errichtung einer Stückholz- und Hackschnitzelheizung (450 kW) mit Nahwärmenetz in Wolma. Auch diese Anlage ist für die Ausbildung von Ingenieuren der Fachrichtung Management der Erneuerbaren Energiequellen und Energieeffizienz.
Das Projekt wird von der Vorarlberger Landesregierung/Österreich finanziell unterstützt.
Der Routinebetrieb wurde im November 2009 aufgenommen.
Es ist notwendig, mit Nachdruck die Zeit zu nutzen, mit diesen Projekten unter Beachtung radioökologischer Erfordernisse die Möglichkeiten der Verwendung regenerativer Energiequellen zu zeigen, ins Bewusstsein der Energiefachleute, der Politiker und der Bevölkerung zu tragen und dort zu verankern.








