Die Schilddrüsenkrebsbehandlung

 

Dieses Hilfsprojekt wird am Klinisch-Onkologischen Dispensär des Oblast Gomel durchgeführt und ermöglicht seit Mitte 1997 die nuklearmedizinische Strahlentherapie von Patienten mit metastasierendem Schilddrüsenkrebs. Bis Ende 2004 waren in Belarus als Folge des Reaktorunfalls in Tschernobyl mehr als 12.000 Kinder und Erwachsene an Schilddrüsenkrebs erkrankt. Über die Hälfte davon kommt aus dem Oblast Gomel. Bei einem großen Teil dieser Kranken sind auch Metastasen in anderen Organen, vor allem in der Lunge, aufgetreten.

Gerade bei jungen Menschen wächst der Schilddrüsenkrebs sehr aggressiv und metastasiert rasch in Lunge und Knochen. Zur Behandlung wird die vom Krebs befallene Schilddrüse durch Operation entfernt. Eine gute Behandlungsmöglichkeit für die Metastasen, die meist nicht operierbar sind, liegt in der Radioiodtherapie. Bei diesem nuklearmedizinischem Verfahren wird der Umstand genutzt, dass Schilddrüsenkrebsmetastasen in der Regel Iod speichern. Nach der Verabreichung von Radioiod nehmen die Metastasen dieses Radiopharmakon aus dem Blut auf und werden dadurch vernichtet. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass radioaktives Iod, das den Krebs der Schilddrüse ausgelöst hat, auch dazu verwendet wird, den Krebs der Schilddrüse zu bekämpfen. Zur Durchführung dieses Projektes in Gomel wurden ein nuklearmedizinisches Labor eingerichtet und umfangreiche Strahlenschutzvorrichtungen eingebaut.

Nach Abschluss dieser Arbeiten konnte Mitte 1997 mit der Radioiodtherapie in Gomel begonnen werden. Für die Therapie lieferte das Otto Hug Strahleninstitut regelmäßig jede Woche radioaktives Jod für die dringend notwendige Behandlung von Schilddrüsenkrebspatienten. Jeder Patient benötigt 4 - 6 Wochen nach der Operation einen Radiojodtest, um eventuell vorhandene Metastasen im Körper zu finden. Ist dies der Fall, erfolgt sofort die Radiojod-Therapie. 

Die histologische Untersuchung der durch Operation entfernten Krebsgeschwülste zeigte bisher immer wieder, dass insbesondere bei jungen Patienten gehäuft gleichzeitig auch Autoimmun-Thyreoiditis vorlag und diese Erkrankungsform die Krebsentstehung offensichtlich begünstigt. Diese Befunde sind ein Beweis dafür, wie wichtig und erfolgreich es ist, die junge Bevölkerung der belasteten Regionen systematisch und regelmäßig zu untersuchen.

Die Behandlungseinheit wurde 2010 an die Gebietsklinik übergeben, das Jod u. a. Verbrauchsmaterialien werden seither aus dem belorussischen Staatshaushalt finanziert.