das Atomkraftwerk Tschernobyl - Block 4
Warnschild Sperrzone am Waldrand
Pripjat-20 Jahre nach der Katastrophe
Choiniki: ein Mahnmal für die evakuierten Dörfer

Der Reaktorunfall

Der Reaktorunfall in Tschernobyl ist eine der schlimmsten, wenn nicht die schlimmste Katastrophe in der bisherigen Geschichte der menschlichen Zivilisation. In den radioaktiv verseuchten Republiken der ehemaligen Sowjetunion, Belarus, Russland und Ukraine, hält die Strahlenbelastung an. Am stärksten betroffen ist Belarus, Hunderttausende sind ihr weiterhin ausgesetzt, von außen und durch belastete Lebensmittel. Seit der Katastrophe im Jahre 1986 ist die Zahl der Erkrankungen beträchtlich gestiegen, die Krebsfälle nehmen weiter deutlich zu.

 

Das Otto Hug Strahleninstitut-MHM leistet mit folgenden Schwerpunkten gezielt Hilfe:

  • Erfassung unmittelbarer und mittelbarer Gesundheitsschäden
  • Maßnahmen zur Verbesserung der medizinischen Betreuung und Behandlung der Bevölkerung in den strahlenbelasteten Gebieten
  • Maßnahmen zur Kontrolle und zur Verminderung der Strahlenbelastung der Bevölkerung
  • Aus- und Fortbildung von Personal des Gesundheitswesens
  • Aus- und Fortbildung der Studenten und des Lehrpersonals der Internationalen Sacharow-Umweltuniversität Minsk (ISEU)
  • Technologietransfer und Ausbildung im Bereich erneuerbare Energie
  • Beratung von Organisa¬tionen und von Behörden, Information der Bevölkerung in der GUS und im Westen

Alle Projekte sind auf lange Dauer ausgelegt. Strohfeueraktionen sind nicht unsere Sache. Alle Projekte stehen für die gesamte Laufzeit unter der Betreuung und Kontrolle unserer Experten und Mitarbeiter. Der Schwerpunkt der Maßnahmen liegt in Belarus (Weißrussland), das durch die Tschernobyl-Katastrophe am stärksten betroffen ist, denn 70 % des radioaktiven Fallout gingen dort nieder.

 

 

Anstieg von Krebserkrankungen

Der Anstieg von Krebserkrankungen zeigte den Handlungsbedarf

Waren in den 10 Jahren vor Tschernobyl in Belarus bei Kindern nur insgesamt 7 Fälle von Schilddrüsenkrebs zu verzeich¬nen, so sind von 1986 bis Ende 2004 ca. 1300 Kinder und Jugendliche daran erkrankt. Insgesamt stieg beim Schilddrüsenkrebs die Zahl der Neuerkrankungen von pro Jahr von 123 Fälle/Jahr (1975-1984) auf über 1000 Fälle/Jahr (2002 2004). Mehr als die Hälfte davon betreffen den Oblast Gomel (Verwaltungsgebiet, größer als Baden-Württemberg).

Die Möglichkeiten einer qualifizierten Früherkennung und Diagnostik für Tumoren und für allgemeine Erkrankungen wurden dank der humanitären Hilfe aus dem Westen erheblich verbessert. Die Versorgung der Fachkliniken mit westlichen Therapiemitteln ist nach wie vor unentbehrlich. Große Gebiete sind weiterhin unbewohnbar. In den angrenzenden Regionen mit erhöhtem Strahlenpegel hält die soziale Problematik an. Wegfall der Arbeitsplätze in der Land- und Forstwirtschaft, Kosten der Energieversorgung, Beschaffung sauberer Lebensmittel usw.. Viele Menschen sind ratlos. Gesundheitlich sind von den Folgen am stärksten die Menschen betroffen, die zum Zeitpunkt des Reaktorunfalls in Tschernobyl am 26. April 1986 Kinder waren.